Hard workin’
Nun sitze ich hier vor einem abgestandenen Kaffee, der nur noch eine Seichte Pfütze Kaffee aufweist und bringe mich mit der Musik in eine Art Rausch. Warum ich vor einem 1 Stunde alten Kaffee sitze? Normalerweise wäre ich jetzt in einem Geografiekurs und würde einen stinknormalen Vortrag über spezielle Stadtmodelle halten, während ich sehnsüchtig auf das Wochenende warte. Aber nein, es soll wohl nicht so sein.
Wenn man jeden Tag damit beschäftigt ist, für den nächsten Tag Unterrichtsstoff zu lernen, den man dann auf einem Papier mit Tinte niederschreiben muss, hat man oft keine Zeit für weiteres. Gespickt mit Zahnarzt- und Fahrschulterminen erkennt man irgendwann, dass wenig Freizeit bleibt. Und so war es auch gestern. Es liegt eine Aneinanderreihung von Terminen vor. Ich komme 15:30 aus der obligatorischen letzten Schulstunde, mit der Vorfreude, endlich was essen zu können. Nach dem Essen bleibt wenig Zeit. Während der Zahnarztbehandlung wird eine Playlist meines MP3 Player angestellt, von dem man sowieso wenig mitkriegt, wenn man die Mordswerkzeuge um sich herum hört. Berieselt von Labereien des Zahnarztes gehe ich wieder nach Hause. 3 Stunden bis zur Fahrstunde. 3 Stunden , um einen ziemlich komplexen Vortrag für den heutigen Tag vorzubereiten. Der Flug über 3 Stunden erscheint relativ kurz. Dann stehe ich schon draußen, bei starkem Wind, der den Regen auf die beteerte Straße peitscht. Nichts desto trotz warte ich.. und warte .. ich.. warte.. . Ich warte. Ich warte auf meinen Fahrlehrer, der mir nach einem kurzen Anruf meinerseits mitteilt, dass er erst 21 Uhr erscheint. Ok, die Zeit geht um, und voller Gedankenlosigkeit fahre ich mit einem Golf 5 Richtung Warnemünde, während ich mich an das Fahren in der Nacht gewöhne. Die Straße erscheint nur noch als eine Bahn mit weißen von Licht überfluteten Streifen. Die Fahrstunden erscheinen mir nur noch als Rausch mit scheinbar unendlichen Dialogen zwischen meinem Fahrlehrer und mir. Ähm ja. Rechts vor links, leere, von ein paar fliegenden Tüten befahrene Straßen. Mehr treffe ich in dem verschlafenen Ort namens Warnemünde, zu Rostock gehörend , nicht an. Ohne viel Denken geht es auch schon Richtung Rostock. Letztendlich komme ich völlig normal und nach einer kurzen Tankaktion um 22:31 zu Hause an, mit dem noch vorliegenden Auftrag, einen Vortrag fertigzustellen. In voller Konzentration setze ich mich nach einer 20 minütigen Pause an mein Referat. Und es endet nicht. Und ZACK, es ist schon 3 Uhr, die letzten Folien schießen aus dem Drucker, während ich mich in mein Bett begebe. Wahrscheinlich 1 Stunde zu spät. Davor wäre ich wahrscheinlich in Null Komma nix eingeschlafen, doch es ist schon zu spät. Der Wecker klingelt und voller Eile werden die letzten Präsentationen ausgedruckt, außerdem schaue ich auf die Uhr. 6:40. Im Hintergedanken habe ich das gute Gewissen, dass sich der stressige letzte Tag gelohnt hat. In meinen Händen halte ich 2 bedruckte Blätter und 4 Overheadfolien, auf denen ich jede Menge Informationen aufgetragen habe. In vollkommener Hoffnung, dass der Vortrag gut ausgeht, fahre ich zur Schule. Ich trete in den Bunker ein, und vor mir liegt eine ungewöhnliche Ruhe. Eine Ruhe, die kurz vor Schulbeginn undenkbar ist. Eine kleine Gruppe von Schülern guckt aus einem Klassenraum heraus, aber sonst nix. Ich schaue mir nochmal meinen Vortrag an, in der Erwartung, dass meine Lehrerin noch kommt. Dann drehe ich mich nach einem Tip um, lese folgendes: 11b – Geografie Aufgaben, Unterricht entfällt.
Kein Kommentar. Mir ist danach nur zufällig unbeirrt durch den Kopf gegangen, das dies bedeutet, das ich den Vortrag erst im November halten werde. Achtet man auf die 2 nächsten Praktikumswochen, meinem drauf folgenden Kurzurlaub und Besuch von diversen Leuten in Leipzig und anderen Teilen von Sachsen und den 2 Wochen Ferien, dann kommt man auf genau dieses Ergebnis. Auf dem einen Auge ein strahlen, auf dem anderen Auge ein unendlicher Tunnel der Übermüdung und der Gleichgültigkeit und der Frustriertheit.
Es ist 8:35. In genau einer Stunde beginnt der Unterricht. Eine gewöhnliche Unterrichtsstunde.
Guten Morgen. Oder: Gute Nacht.
Mit freundlichen Grüßen,
Felix Lau


